Arbeiten bei der Lebenshilfe Freising: Mehr als nur ein Job
Berufliche Teilhabe: Unser Anspruch
Unser Anspruch ist es, das Leben von Menschen, welche in der Teilhabe eingeschränkt sind, nicht nur zu verbessern, sondern ihnen Möglichkeiten zu einem sinnerfüllten und zufriedenstellenden Leben zu bieten. Dazu gehört ganz zentral der gesellschaftliche Anspruch auf einen zweiten Lebensraum und eine sinnvolle Teilnahme am Arbeitsleben – unabhängig von den individuellen Voraussetzungen.
Von einem durchgehend inklusiven Arbeitsmarkt sind wir allerdings noch weit entfernt. Deshalb sieht sich die Lebenshilfe Freising in der Verantwortung, Arbeitsplätze in Förderstätten, Werkstätten, Inklusionsbetrieben und Außenarbeitsplätzen bereitzustellen und stetig weiterzuentwickeln. Ziel ist es, Vielfalt und Selbstbestimmung im Arbeitsalltag zu fördern – für alle Menschen.
Förderstätte Moosburg: Wo Arbeit Entwicklung bedeutet
Die Förderstätte in Moosburg ist ein Ort zum Wachsen – für Herz und Fähigkeiten. Wenn man vormittags durch die hellen Räume geht, riecht es nach Farben und warmem Wachs. An einem der Arbeitstische sitzt die 28-jährige Lena konzentriert bei der Arbeit an einer Kerze mit buntem Wachsmuster. „Ich mache das gern“, sagt sie über ihren Sprachcomputer und streicht vorsichtig über das fertige Stück. „Die Farben hab‘ ich selbst ausgesucht.“ Lena braucht intensive Unterstützung im Alltag, aber in der Förderstätte findet sie Struktur, Anerkennung und kreative Entfaltung.
Hier gibt es vielfältige Beschäftigungsangebote – von Beton-, Mosaik- oder Perlenwerkstatt über Filz bis hin zum hauseigenen Recyclingangebot. Eine gut gefüllte Bibliothek und Mediathek, therapeutische Angebote wie Krankengymnastik und Ergotherapie sowie unterstützte Kommunikation (z. B. mit iPads oder Augensteuerung) eröffnen auch Menschen mit schwersten Einschränkungen echte Teilhabe. Leiterin Katrin Krampfl erzählt: „Viele Menschen trauen unseren Förderstättengänger*innen wenig zu. Aber wir sehen, was möglich ist – mit Vertrauen, Zeit und dem richtigen Umfeld.“
Inklusionsbetriebe Freising gGmbH (IBF): Arbeiten auf Augenhöhe
Im Tagungshaus Viva Vita, wo inklusive Gastfreundschaft groß geschrieben wird, deckt Markus, 35 Jahre alt, gerade Tische für ein Seminar. Er lacht und scherzt mit einer Kollegin. Er liebt den Servicebereich – und die Gäste mögen ihn. „Ich wollte immer was mit Menschen machen. Jetzt arbeite ich am Empfang und bringe die Getränke“, sagt er stolz.
Das Viva Vita ist mehr als nur ein Tagungshaus – es ist ein Inklusionsbetrieb mit echtem Herz, das zudem diverse Mensen betreibt und auch Catering anbietet. Menschen mit und ohne Behinderung arbeiten hier zusammen, tariflich bezahlt, auf individuell angepassten Arbeitsplätzen. Empfang, Küche oder Service – jede Aufgabe zählt, jeder Mensch auch. „Die Gäste merken oft gar nicht, dass wir ein Inklusionsbetrieb sind“, erzählt Christian Burger, Leiter des Viva Vita. „Und wenn doch, dann sind sie begeistert von der Professionalität – und vom sozialen Mehrwert.“
Als Dienstleistung, die Wurzeln schlägt, wird das SerVita bezeichnet. Im Garten von Anneliese Krüger in Freising trimmt das SerVita-Team akkurat die Hecken. Mit dabei ist Paul, der seit drei Jahren im Gartenbau arbeitet. „Ich liebe die Natur und dass ich draußen arbeiten kann. Früher hatte ich nie eine richtige Stelle. Jetzt bin ich stolz, wenn ein Garten nachher schön aussieht“, sagt er. Das SerVita als zweiter Betriebsteil der IBF, bietet Gartenpflege, Landschaftsgestaltung und professionelle Reinigungsdienste an. Auch hier arbeiten Menschen mit und ohne Behinderung gemeinsam – und zwar nicht nur effizient, sondern mit echter Leidenschaft.
Kontaktdaten für die Buchung der Dienstleistungen sind auf der Homepage der IBF zugänglich: www.lebenshilfe-fs.de/arbeiten-und-foerdern/inklusionsbetriebe-freising/
Isar Sempt Werkstätten GmbH: Ein Platz für jede Fähigkeit
In der ISW herrscht emsiges Treiben: Verpackung, Metallverarbeitung, Montage, Textilveredelung – hier wird professionell gearbeitet. Rund 400 Mitarbeitende sind täglich im Einsatz. Was viele nicht wissen: Auch kreative Angebote wie Malen, Töpfern, Schwimmen und Volkstanz sind Teil des Konzepts. Der 31-jährige Thomas arbeitet in der Montage. Früher fiel es ihm schwer, einen Platz im Berufsleben zu finden. Jetzt sagt er: „Hier kann ich was. Ich werde gebraucht. Und ich mag meine Kolleg*innen.“
Fachkräfte aus Industrie und Handwerk mit sonderpädagogischer Zusatzausbildung begleiten die Mitarbeitenden, fördern ihre beruflichen Fähigkeiten und stärken Selbstvertrauen und Eigenständigkeit. Geschäftsführer Albert Wittmann bringt es auf den Punkt: „Unsere Leute leisten Großartiges – jeden Tag. Es ist unsere Aufgabe, ihre Talente sichtbar zu machen.“
Fazit: Arbeiten mit Perspektive
Ob Förderstätte, Inklusionsbetrieb oder Werkstatt – die Lebenshilfe Freising zeigt eindrucksvoll, dass Arbeiten viel mehr ist als Broterwerb. Es ist Zugehörigkeit, Selbstbestimmung und Wertschätzung. Und vor allem: Für jeden Menschen möglich. Denn Arbeit ist nicht nur ein Recht – sie ist ein Teil des Lebens.
Einblick in den Arbeitsalltag: Interview mit Johannes Reicheneder, Geschäftsführer der Inklusionsbetriebe Freising und der Lebenshilfe Freising
Herr Reicheneder, was bedeutet „Arbeiten“ bei der Lebenshilfe Freising für Sie ganz persönlich?
„Arbeit ist Teilhabe. Jeder Mensch möchte etwas Sinnvolles tun, gebraucht werden. Unsere Betriebe zeigen, dass Menschen mit Behinderung nicht nur arbeiten können – sie bereichern jedes Team.“
Was unterscheidet Ihre Inklusionsbetriebe vom klassischen Arbeitsmarkt?
„Wir schaffen Arbeitsplätze mit tariflicher Bezahlung – das ist zentral. Die Abläufe passen wir individuell an, aber die Anforderungen an Qualität und Verlässlichkeit sind die gleichen wie überall. Unsere Kund*innen merken den Unterschied nur an der freundlichen Atmosphäre – nicht am Ergebnis.“
Wie reagieren Unternehmen oder Kund*innen auf das inklusive Konzept?
„Durchweg positiv! Viele sind überrascht, wie professionell wir arbeiten. Und manche kommen genau wegen unseres sozialen Mehrwerts. Inklusion ist keine Einbahnstraße – alle profitieren.“
Was wünschen Sie sich für die Zukunft?
„Noch mehr Offenheit in der Gesellschaft. Dass Inklusion zur Normalität und auch gelebt wird – und nicht zur ein theoretischer Begriff bleibt. Und dass wir weiterhin Menschen Mut machen können, ihren Weg zu gehen – mit oder ohne Einschränkung.“

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