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Es ist Montagmorgen in der Frühförderstelle Freising in der Kesselschmidstraße. Durch die hellen, freundlichen Räume hallt das Lachen eines Kindes. Paul, vier Jahre alt, sitzt auf einem bunten Teppich und betrachtet konzentriert eine Bilderkarte. „Welches Tier ist das?“, fragt seine Therapeutin Melanie. Paul überlegt kurz, dann strahlt er: „Ein Hund!“ Noch vor wenigen Monaten sprach er kaum, doch durch die gezielte Förderung macht er große Fortschritte.

Von Anfang an stark: Die Interdisziplinären Frühförderstellen der Lebenshilfe Freising

Was ist Frühförderung?

Die interdisziplinären Frühförderstellen der Lebenshilfe Freising mit ihren Standorten in Freising, Moosburg und Neufahrn begleiten Kinder, die in ihrer Entwicklung Unterstützung benötigen, von Geburt an bis zum Schuleintritt. Ob Schwierigkeiten in der Wahrnehmung, motorische Herausforderungen, Schwierigkeiten in der kognitiven Entwicklung oder im Verhalten, sprachliche Probleme oder auch emotionale Auffälligkeiten – jedes Kind wird individuell unterstützt.

Die interdisziplinären Teams bestehen aus Fachkräften aus verschiedenen Bereichen:

  • Medizinisch-therapeutische Fachkräfte: Ergotherapeut*innen, Physiotherapeut*innen, Logopäd*innen / Sprachtherapeut*innen
  • Pädagogisch-psychologische Fachkräfte: Psycholog*innen, Sozialpädagog*innen, Heilpädagog*innen, Sprachheilpädagog*innen, Sonder- und Diplompädagog*innen, Kindheitspadagog*innen

Durch diese enge Zusammenarbeit kann eine gezielte Förderung aus unterschiedlichen Perspektiven erfolgen, die sich nach den individuellen Bedürfnissen jedes Kindes richtet.

Wenn Spielen zum Lernen wird

Lisa, fünf Jahre alt, besucht seit zwei Jahren regelmäßig die Frühförderstelle in Moosburg. Ihre Mutter Sarah erinnert sich: „Lisa hatte anfangs große Schwierigkeiten, sich zu konzentrieren und mit anderen zu interagieren.“ Heute ordnet Lisa mit Begeisterung bunte Formen, klatscht freudig bei Bewegungsspielen mit und begrüßt alle mit einem strahlenden Lächeln. „Durch die Frühförderung hat sie gelernt, sich auszudrücken, und sie hat große Freude an neuen Aufgaben“, erzählt ihre Mutter stolz.

Auch Elena Fotopoulu, Leiterin der Frühförderstelle Moosburg, bestätigt: „Wir sehen täglich, wie wichtig es ist, Kinder frühzeitig zu begleiten. Gerade im spielerischen Miteinander entwickeln sie sich am besten.“ Alexandra Koch, ebenfalls in der Leitung der Frühförderstelle Moosburg, ergänzt: „Viele Eltern haben zunächst Hemmungen, sich an uns zu wenden. Aber wenn sie sehen, welche Fortschritte ihre Kinder machen, sind sie unglaublich dankbar. Es geht nicht darum, Defizite auszugleichen, sondern jedes Kind auf seinem individuellen Weg zu stärken.“

Die Förderangebote sind spielerisch gestaltet – ob mit Musik, Bewegung oder gezielten Wahrnehmungsübungen. „Im Mittelpunkt steht das kindliche Spiel. Mit spezifischen Spielmaterialien und individuellen (Therapie-)Ansätzen wollen wir die Kinder zu Handlungen motivieren, die für ihren jeweiligen Entwicklungsstand förderlich sind“, erklärt Pia Rumrich-Schäfer, Leiterin der dritten Frühförderstelle im Bunde, in Neufahrn.

Doch nicht nur die Kinder stehen im Fokus – auch die Eltern spielen eine entscheidende Rolle im Förderprozess. Denn eine ganzheitliche Unterstützung kann nur gelingen, wenn sie in den Alltag der Familie integriert wird. Ein Bild, das für viele Familien zum Alltag wird, wenn sie Unterstützung für ihr Kind suchen, ist folgendes: Ein heller Raum, bunte Spielzeuge auf dem Boden – mittendrin ein kleines Kind, das konzentriert Bauklötze stapelt. Neben ihm sitzt seine Mutter, die aufmerksam die Tipps der Pädagogin verfolgt.

Individuelle Förderung für jedes Kind: Wie Eltern als wichtigste Partner und Fachkräfte gemeinsam Perspektiven schaffen

Gemeinsam mit den Eltern wird Frühförderung geplant und abgesprochen. „Es bringt nichts, wenn wir Maßnahmen empfehlen, die im Alltag nicht umsetzbar sind“, erklärt Rumrich-Schäfer als erfahrene Therapeutin. „Unser Ziel ist es, die Familie dort abzuholen, wo sie steht.“ Ein wesentlicher Aspekt der Begleitung ist auch die emotionale Unterstützung der Eltern. Fragen zur Entwicklung, auch zur Erziehung, sind häufig Thema – was braucht mein Kind, wie setzt man Grenzen, wie stärkt man das Selbstbewusstsein des Kindes?

In der zusätzlich angebotenen Elternsprechstunde werden Sorgen besprochen und Lösungen erarbeitet. Besonders bei Kindern mit Regulationsstörungen stehen Eltern oft vor vielen Herausforderungen: Wie helfe ich meinem Kind, zur Ruhe zu kommen? Wie kann ich meinem Kind in einer schwierigen Situation gut zur Seite stehen? Hier erhalten sie wertvolle Unterstützung und Antworten. „Oft sind es kleine Impulse, die Großes bewirken können“, betont Silvia Jonker, Leiterin der Frühförderung in Freising und gemeinsam mit Rumrich-Schäfer als Fachbereichskoordinatorin für alle drei Frühförderungen zuständig. „Im Bereich der Frühförderung bieten wir inklusive Strukturen an, die darauf abzielen, die Teilhabe von Kindern und ihren Familien zu stärken.“

Frühförderung in vertrauter Umgebung

Die Frühförderung arbeitet eng mit Kinderärzt*innen, Kliniken, Praxen und Kitas zusammen, um eine bestmögliche Entwicklung der Kinder zu gewährleisten. Eltern können sich direkt an die jeweilige Frühförderstelle wenden oder auf Empfehlung von Ärzt*innen oder Kitas Kontakt aufnehmen. Die Kosten für die Förderung werden vom Bezirk Oberbayern und den Krankenkassen übernommen.

Nicht jedes Kind fühlt sich in einer neuen Umgebung sofort wohl. Deshalb findet die Förderung oft auch in unterschiedlicher Umgebung oder auch in der Kita statt. Die Frühförder*innen können mobil arbeiten und gestalten die Sitzungen dort, wo sich ein Kind am Besten entfalten kann. „Manchmal reicht schon ein bekanntes Kuscheltier, um Ängste zu nehmen“, erzählt Ergotherapeutin Erika aus ihrem Alltag.

Gemeinsam stark für die Zukunft

Zurück in Freising, wo Paul konzentriert eine neue Bilderkarte betrachtet. Logopädin Melanie nickt ermutigend. „Das ist eine Katze!“, ruft er begeistert. Seine Mutter lächelt gerührt. Sie weiß: Ihr Sohn hat hier nicht nur Fortschritte gemacht, sondern einen Ort gefunden, an dem er angenommen wird, wie er ist.

Dank der Frühförderstellen der Lebenshilfe Freising erhalten Kinder und ihre Familien die Unterstützung, die sie brauchen – ein wertvolles Angebot, das vielen einen guten Start ins Leben ermöglicht.

Interview mit den Fachbereichskoordinatorinnen Silvia Jonker und Pia Rumrich-Schäfer

Frau Jonker, was macht die Frühförderung so besonders?

Silvia Jonker: Die Frühförderung ist ein einzigartiges Angebot, weil wir Kinder in ihren ersten, wichtigsten Lebensjahren begleiten. Wir helfen ihnen, ihr Potenzial zu entfalten, und unterstützen Eltern dabei, ihre Kinder bestmöglich zu fördern. Besonders schön ist es zu sehen, wie Kinder durch gezielte Förderung wachsen und neue Fähigkeiten entwickeln.

Frau Rumrich-Schäfer, welche Herausforderungen begegnen Ihnen in der täglichen Arbeit?

Pia Rumrich-Schäfer: Jedes Kind ist anders, und genau das ist die Herausforderung – aber auch die größte Freude! Manche Kinder brauchen intensive Unterstützung in der Kommunikation, andere im motorischen Bereich. Wir müssen individuell auf jedes Kind eingehen und die Förderung so gestalten, dass sie für das Kind passend ist. Außerdem ist es uns wichtig, die Eltern einzubeziehen, denn sie sind die wichtigsten Bezugspersonen ihrer Kinder.

Welche Botschaft möchten Sie Eltern mit auf den Weg geben?

Silvia Jonker: Wir laden Sie herzlich ein, uns kennenzulernen! Vertrauensvolle Zusammenarbeit ins uns wichtig. Je früher Kinder Unterstützung bekommen, desto besser können sie sich entwickeln. Unser Angebot ist kostenlos und unkompliziert – sprechen Sie uns einfach an!

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