Tel. 08161 4830 0

Ein fröhliches Kinderlachen hallt durch die Gruppenräume, auf den Spielplätzen wird getobt, gemalt und gebaut. Die Kindertageseinrichtungen der Lebenshilfe Freising bieten nicht nur Betreuung, sondern sind ein Ort der gelebten Inklusion. Hier wachsen Kinder mit und ohne Behinderung gemeinsam auf, spielen, lernen und entdecken die Welt – ganz nach dem Motto: „Es ist normal, verschieden zu sein!“

Ein Ort zum Wachsen – Die Kindertageseinrichtungen der Lebenshilfe Freising

Sieben Kitas – Ein gemeinsames Ziel

Die Lebenshilfe Freising betreibt sieben inklusive Kindertageseinrichtungen, die sich an verschiedenen Orten des Landkreises befinden. Jede Kita hat ihren eigenen Schwerpunkt, doch eines verbindet sie alle: die individuelle Förderung der Kinder in einem Umfeld, das Vielfalt als Bereicherung sieht. „Wir setzen an den Stärken der Kinder an und nicht an ihren Defiziten“, erklärt Ines Milde, Fachkoordinatorin für die Kitas der Lebenshilfe Freising.

Ein Besuch in der Kita Bunte Arche in Eching

Ein Blick in die Bunte Arche zeigt schnell, worum es hier geht: Die Gruppenräume sind liebevoll eingerichtet, ein Bällebad lädt zum Spielen ein, und die hauseigene Küche sorgt für frische, gesunde Mahlzeiten. „In unserer Kita liegt der Schwerpunkt auf Sprachförderung“, erklärt Annette Clauß, die Einrichtungsleitung. „Viele Kinder haben nicht zuletzt durch die Coronazeit einen erhöhten Förderbedarf in der Sprache. Zudem sind in vielen weiteren Krankheitsbildern Sprachentwicklungsverzögerungen inkludiert. Durch gezielte Angebote, Unterstütze Kommunikation mit METACOM oder Gebärden, unterstützen wir die Kinder in ihrer Entwicklung.“ In den integrativen Gruppen werden Kinder mit und ohne Behinderung gemeinsam betreut – mit Erfolg: Lisa (Name geändert) hat Freude an der Sprache und den Gebärden. Durch ihren Migrationshintergrund und eine Sprachentwicklungsverzögerung fiel ihr anfangs das Sprechen schwer. Nun wird sie bald eingeschult und kann mittlerweile fließend sprechen. Emil (Name geändert) konnte aufgrund seiner Autismus-Spektrum-Störung sprachlich nicht in Kontakt mit seinem Umfeld kommen. Nach einigen Therapien und dem Einsatz von Symbolen zur Unterstützen Kommunikation teilt er nun anhand der Symbole mit, was er essen oder spielen möchte. Zudem schießt das pädagogische Personal Fotos von seinem Alltag, sodass er zu Hause berichten kann, was er in der Kita erlebt hat.

InKiMo in Moosburg: Freie Wahl durch gruppenübergreifende Angebote

Auch im Inklusiven Kindergarten Moosburg ist das Konzept durchdacht. Hier können die Kinder selbst entscheiden, an welchen Angeboten sie teilnehmen möchten. „Es gibt eine große Turnhalle, ein Bällebad, ein Traumland und im Garten eine tolle Holzwerkstatt“, erzählt Leiterin Ines Milde. „Die Kinder lernen Selbstständigkeit und können sich nach ihren individuellen Bedürfnissen entfalten.“ Durch eine enge Zusammenarbeit mit der Frühförderung, die sich direkt im gleichen Gebäude befindet, kann eine maßgeschneiderte Unterstützung für Kinder mit besonderem Förderbedarf angeboten werden. So wie beim vierjährigen Tom, der durch die interdisziplinäre Arbeit zwischen Erzieher*innen und Therapeut*innen enorme Fortschritte in seiner motorischen Entwicklung gemacht hat.

Natur erleben im Kindergarten Zauberwald in Neufahrn

Im Kindergarten Zauberwald spielt Umweltbildung eine zentrale Rolle. „Wir sind jeden Tag draußen – egal bei welchem Wetter“, berichtet Einrichtungsleiterin Andrea Ecker. Mit wetterfester Kleidung ausgestattet, erkunden die Kinder ebenso einmal wöchentlich die Umgebung in Neufahrn, lernen Pflanzen und Tiere kennen und erleben spielerisch die Jahreszeiten. „Es ist uns wichtig, den Kindern den Wert der Natur nahezubringen“, sagt Ecker. Das Highlight ist das große Außengelände mit vielfältigen Spielmöglichkeiten. Leonie, eine kleine Naturforscherin, liebt es gemeinsam mit ihren Freund*innen, nach Käfern, Würmern, Schnecken und Pflanzen zu suchen und Erdbeeren oder Heidelbeeren zu naschen.

Familienzentrum im Steinpark: Familie – Begegnung – Inklusion

Im Familienzentrum im Steinpark spielen, lernen und begegnen sich Kinder im Alter von neun Monaten bis elf Jahren. „Wir haben zwar kein offenes Konzept, aber ein offenes Haus, in dem Kinder, Eltern, Gäste, Kooperationspartner*innen und Nachbar*innen herzlich willkommen sind. Uns ist eine wertschätzende, achtsame und wohlwollende Haltung sehr wichtig“, berichtet Einrichtungsleiterin Alexandra Voll. Das Wohlergehen des Kindes und seine Entwicklung stehen im Mittelpunkt der pädagogischen Aufmerksamkeit und es wird großen Wert darauf gelegt, dass jedes Kind auch unbeschwert Kind sein darf. „Gelebte Inklusion und Teilhabe bedeutet für uns jedes Kind dort abzuholen wo es steht und ein Umfeld für ein gelingendes Miteinander zu schaffen“, so Voll. Das Familienzentrum bietet den Kindern vielfältige Möglichkeiten, ihre Umwelt mit allen Sinnen zu entdecken und sich aktiv in den Alltag einzubringen. Besonders die hauseigenen Hühner, deren Versorgung und das Einsammeln der Eier bereiten den Kindern große Freude und gleichzeitig vielseitige Lernerfahrungen.

Kita Moosschifferl: Kinder erleben Gemeinschaft

Im Kindergarten Moosschifferl wird jeden Tag deutlich, wie echte Gemeinschaft aussehen kann. Kinder mit und ohne Beeinträchtigungen spielen, lernen und wachsen hier gemeinsam auf – mit Offenheit, Rücksicht und viel Herz. Der Kindergarten ist damit nicht nur ein Ort der frühen Bildung, sondern auch ein kleines Vorbild für gelebte Vielfalt und Gemeinschaft.

Was den Alltag im Moosschifferl besonders macht, ist der spürbare Zusammenhalt unter den Kindern. Ob beim gemeinsamen Bauen, im Garten oder beim Morgenkreis: Die Kinder begegnen sich auf Augenhöhe, helfen einander und feiern Unterschiede als etwas Wertvolles. „Gemeinschaft bedeutet bei uns, dass jedes Kind dazugehört – mit all seinen Stärken, Besonderheiten und Bedürfnissen“, sagt Kindergartenleitung Caroline Markham.

Kita am Veitshof: „Hilf mir, es selbst zu tun“

Auch im Kindergarten am Veitshof liegt der Schwerpunkt auf der Montessoripädagogik. In der vorbereiteten Umgebung finden die Kinder zahlreiche Angebote zu den Bereichen „Übungen des praktischen Lebens“, Sinnesmaterialien, Mathematik, Sprache und kosmische Erziehung. Täglich geht es für die Kinder nach draußen. Ob im großen Garten oder rund um die Moosachwiesen – überall gibt es Neues zu erforschen und zu entdecken. Das ist kosmische Erziehung in der praktischen Umsetzung. „Mit den Bewohner*innen des Wohnhauses Johannisstraße in der direkten Nachbarschaft pflegen wir eine liebevolle Kooperation. Gemeinsames Singen und Erzählen im Advent, ein Osterspaziergang mit Rollis und Fußgänger*innen oder gemeinsames Töpfern sind Beispiele gelebter Inklusion“, erzählt Kindergartenleitung Ulrike Hinz-Buchwald aus ihrem pädagogischen Alltag.

Als siebte Kita der Lebenshilfe Freising zählt der Heilpädagogische Kindergarten im Bildungszentrum Gartenstraße. Dieser wird jedoch im nächsten Teil – gemeinsam mit den anderen Einrichtungen im „BiG“ näher erläutert.

Ein Ort für jedes Kind

Die Kitas der Lebenshilfe Freising zeigen, dass Inklusion nicht nur ein Konzept ist, sondern aktiv gelebt wird. Hier finden Kinder einen sicheren Raum, um sich individuell zu entfalten – unabhängig von ihren Fähigkeiten oder ihrer Herkunft. Und genau das macht diese Einrichtungen so besonders. „Im Bereich der Inklusion von Kindern im Vorschul- und Schulalter sind wir bestrebt, den Charakter von Sondereinrichtungen zu brechen und inverse Inklusionsstrategien zu verfolgen. Deshalb betreiben wir inklusive Kitas, in denen auch Kinder ohne Behinderung betreut werden“, fasst Milde das Konzept der Lebenshilfe Freising zusammen.

Interview mit Ines Milde, Fachkoordinatorin der Kitas

Frau Milde, was macht die Kitas der Lebenshilfe Freising besonders?

Ines Milde: Unser Konzept basiert auf gelebter Inklusion. Kinder mit und ohne Behinderung spielen und lernen miteinander – das ist für alle bereichernd. Zudem bieten wir eine ganzheitliche Förderung, auch mit therapeutischen Angeboten.

Gibt es besondere Herausforderungen, mit denen Sie und Ihre Kolleg*innen immer wieder konfrontiert werden?

Die Nachfrage nach inklusiven Kita-Plätzen ist groß, aber der Fachkräftemangel macht es uns nicht leicht. Dennoch geben wir unser Bestes, jedem Kind eine optimale Betreuung zu ermöglichen.

Was wünschen Sie sich speziell in Ihrem Bereich für die Zukunft?

Dass Inklusion noch selbstverständlicher wird und wir weiter so engagierte Mitarbeitende finden, die mit Herzblut dabei sind.

Kommentieren