Unter der Leitung von Robert Spahr, Sozialarbeiter und Erziehungswissenschaftler im Integrativen Kindergarten Moosburg (InKiMo) der Lebenshilfe Freising, sowie mit Unterstützung von Sophia Otte, Berufspraktikantin im Anerkennungsjahr, kamen vom 30. Januar bis 1. Mai 2026 regelmäßig fünf bis neun Kinder im Alter von vier bis zehn Jahren mit und ohne Behinderung im Freisinger Bildungszentrum Gartenstraße zusammen. Dort musizierten sie gemeinsam mit eigens von Spahr entwickelten barrierearmen Musikinstrumenten. Ziel des Projekts war es, Teilhabe und gemeinsames kreatives Erleben unabhängig von individuellen Voraussetzungen zu ermöglichen.
„Es war beeindruckend zu sehen, wie selbstverständlich die Kinder mit und ohne Unterstützungsbedarf miteinander musiziert haben“, berichtet Spahr. „Die Instrumente schaffen einen Zugang, bei dem Fähigkeiten und Einschränkungen in den Hintergrund treten und das gemeinsame Erlebnis im Mittelpunkt steht.“
Innovative Instrumente für mehr Teilhabe
Bereits im Vorfeld des Projekts wurden die barrierearmen Musikinstrumente entwickelt und gebaut. Sie sind speziell darauf ausgelegt, möglichst vielen Kindern einen einfachen Zugang zum Musizieren zu ermöglichen. Die Instrumente bestehen aus einzelnen Tönen, die frei kombiniert und individuell zusammengestellt werden können. Dadurch lassen sie sich flexibel an die Bedürfnisse, Fähigkeiten und Interessen der Kinder anpassen.
Jeder Ton ist dabei einer eigenen Farbe und einem Symbol zugeordnet. So können auch Kinder ohne Notenkenntnisse oder mit unterschiedlichen Lernvoraussetzungen musikalische Zusammenhänge schnell erfassen. Eine eigens entwickelte barrierefreie Bauweise sorgt zusätzlich dafür, dass die Instrumente von Kindern mit unterschiedlichen Voraussetzungen genutzt werden können. Unterstützend dazu wurde ein spezielles pädagogisches System mit angepassten Materialien entwickelt, so dass beispielsweise auch gemeinsam Lieder einstudiert werden konnten. Mit dem gesamten System werden schnelle Erfolgserlebnisse möglich und die aktive Teilhabe aller Kinder gefördert.
Mit allen Sinnen Musik entdecken
In mehreren gemeinsamen Proben entstanden musikalische Beiträge, bei denen vor allem das gemeinsame Erleben, Ausprobieren und Improvisieren im Vordergrund standen. Neben dem Musizieren spielten auch Bewegung, Tanz, Spiel und kreative Elemente eine wichtige Rolle. Die Kinder begleiteten Lieblingslieder, entwickelten eigene musikalische Ideen und entdeckten Klänge mit allen Sinnen. Dabei entstanden immer wieder Momente echter Gemeinschaft – unabhängig von Alter, Entwicklungsstand oder individuellem Unterstützungsbedarf.
Eine besondere Rolle spielte zudem das Maskottchen Schalli in Form einer Handpuppe. Es begleitete die Kinder durch die Proben, erzählte Geschichten, stellte Aufgaben und fungierte als Verbindungsglied zwischen den Kindern, den Instrumenten und der Musik. Vor allem zurückhaltende Kinder fanden über die Handpuppe oft leichter Zugang zur Gruppe und zum gemeinsamen Musizieren.
Vertrauen, Gemeinschaft und neue Erfahrungen
„Die Arbeit mit den Kindern hat sehr viel Freude bereitet und gezeigt, wie schnell Musik Verbindungen schaffen kann“, so Spahr. „Durch das gemeinsame Musizieren entstanden oft schon nach kurzer Zeit Vertrauen, Nähe und ein starkes Gemeinschaftsgefühl. Gleichzeitig wurde deutlich, wie unterschiedlich die Bedürfnisse und Voraussetzungen der Kinder sind. Gerade diese Vielfalt hat das Projekt besonders spannend, wertvoll und lehrreich gemacht.“
Neben der direkten Arbeit mit den Kindern verfolgte das Projekt auch das Ziel, neue Impulse für inklusive Musikangebote in Kindertageseinrichtungen, Musikschulen und Vereinen zu setzen. Die entwickelten Instrumente zeigen, wie Barrieren im musikalischen Bereich abgebaut und neue Formen der Teilhabe geschaffen werden können.
Positive Bilanz und Blick in die Zukunft
Die Verantwortlichen ziehen eine positive Bilanz. „Das Projekt zeigt eindrucksvoll, wie Inklusion gelingen kann, wenn kreative Ideen, fachliches Know-how und passende Rahmenbedingungen zusammenkommen“, erklärt Thomas Winter, fachlicher Leiter der Lebenshilfe Freising. „Wir freuen uns, dass die Förderung durch die Aktion Mensch dieses innovative Vorhaben ermöglicht hat, und hoffen, dass die entwickelten Ansätze auch über das Projekt hinaus Wirkung entfalten.“
Am Ende bleibt vor allem die Erfahrung, dass Musik Menschen unabhängig von ihren individuellen Voraussetzungen zusammenbringen kann. Aus einzelnen Tönen entstanden nicht nur gemeinsame Melodien, sondern auch Begegnungen, Vertrauen und Gemeinschaft – genau das, was das Projekt von Beginn an erreichen wollte.
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