Neuer Blick auf soziale Berufe: Realschüler*innen besuchen die Lebenshilfe Freising
"Sozialer Bereich? Eher nichts für mich.“ Mit dieser Haltung kamen viele der zehn Realschüler*innen der Abschlussklasse der Karl-Meichelbeck-Realschule am 12. März ins Bildungszentrum Gartenstraße der Lebenshilfe Freising. Zwei Stunden später klang das schon anders.
Einblick in mögliche Ausbildungswege
Der Besuch fand im Rahmen des Wahlpflichtfachs „Beruf – live und vor Ort in der realen Arbeitswelt erleben“ statt. Begleitet von ihrem Lehrer Holger Faig besuchen die Schüler*innen dabei mehrere Betriebe und Organisationen, um mögliche Ausbildungsberufe kennenzulernen. Das Angebot richtet sich an Jugendliche, die nach ihrem Realschulabschluss direkt ins Berufsleben starten möchten.
Zu Beginn des Termins stellten Karin Zell, Referentin für Aus- und Weiterbildung, sowie Nadine Notka aus dem Bewerbermanagement die Lebenshilfe Freising und ihre Ausbildungswege vor. Dabei ging es vor allem um die Berufe Erzieher*in und Heilerziehungspfleger*in sowie um die Möglichkeiten eines Freiwilligen Sozialen Jahres (FSJ). Auch das Ausbildungsprogramm der Lebenshilfe Freising mit einrichtungsübergreifenden Treffen für Austausch, Reflexion und Unterstützung wurde vorgestellt.
Für viele der Jugendlichen war das Neuland. In der Vorstellungsrunde zeigte sich, dass sich zunächst nur eine Schülerin konkret für eine Ausbildung im sozialen Bereich interessierte, während eine weitere angab, noch für vieles offen zu sein. Der Rest verortete sich eher im Handwerk.
Rundgang durch das Bildungszentrum Gartenstraße
Beim anschließenden Rundgang durch die Heilpädagogische Tagesstätte und den Integrativen Hort im Bildungszentrum Gartenstraße konnten die Jugendlichen direkt in den Alltag der Einrichtungen eintauchen. Geführt wurden sie von Regina Maier-Oßner, Leitung der Heilpädagogischen Tagesstätte, sowie Franziska Kohoutek, Leitung des Integrativen Horts. In kleinen Gruppen schnupperten die Schüler*innen anschließend in den Alltag der Einrichtungen hinein und konnten dabei unmittelbare Eindrücke sammeln.
Begegnungen im Gruppenalltag
Dabei konnten sie direkt erleben, wie vielfältig die pädagogische Arbeit ist. Gespräche mit Kindern und Jugendlichen, gemeinsames Spielen oder spontane Alltagssituationen gaben den Jugendlichen einen authentischen Eindruck davon, wie Beziehung, Förderung und Begleitung im Alltag zusammenkommen. Auch digitale Hilfsmittel zur Kommunikation oder kreative Aktivitäten der Kinder und Jugendlichen wurden dabei ganz selbstverständlich sichtbar.
Diese direkten Begegnungen machten für viele den Unterschied: Aus einer zunächst eher abstrakten Vorstellung eines sozialen Berufs wurde ein konkreter Eindruck davon, wie der Arbeitsalltag tatsächlich aussieht. Sei es beim Uno-Spielen, beim Geburtstag feiern, beim Kommunizieren mit dem Tablet oder beim Zeigen von selbsterstellten Musikvideos.
Überraschende Eindrücke und neue Perspektiven
In der abschließenden Feedbackrunde wurde deutlich, dass der Besuch bei vielen einen bleibenden Eindruck hinterlassen hat. Einige Schüler*innen berichteten, dass sie überrascht gewesen seien, wie vielseitig und lebendig der Alltag in den Gruppen ist. Andere betonten, dass sie zuvor nicht genau gewusst hätten, was sie erwartet.
Bei einigen Jugendlichen hat der Einblick einen Perspektivwechsel ermöglicht und Interesse am sozialen Bereich geweckt. Auch praktische Fragen kamen zur Sprache, etwa zur Finanzierung der Angebote oder dazu, wie viele Kinder mit Unterstützungsbedarf von der Lebenshilfe begleitet werden. Für eine Schülerin, die zu Beginn noch unentschlossen war, hatte der Nachmittag sogar konkrete Auswirkungen: Sie könnte sich nun vorstellen, später eine Ausbildung zur Erzieherin zu beginnen.
Wege in Ausbildung und Praktikum
Die Lebenshilfe Freising bietet jungen Menschen verschiedene Möglichkeiten, den sozialen Bereich kennenzulernen, etwa durch Praktika, ein Freiwilliges Soziales Jahr oder eine Ausbildung. Wer diesen Weg einschlägt, hat beste Chancen, nach der Ausbildung übernommen zu werden und langfristig Teil der Organisation zu bleiben.
Der Besuch zeigte damit eindrucksvoll, wie wichtig persönliche Einblicke für die Berufsorientierung junger Menschen sind – und wie schnell sich Perspektiven verändern können, wenn Begegnungen im Mittelpunkt stehen.

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