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Björn Zaddach, Schulleiter des Förderzentrums im BiG, war mit dabei, als im Dezember 2021 die ersten zehn Deeskalationstrainer*innen bei der Lebenshilfe ihre Ausbildung abschlossen. Nun berichtet er, wie die

Arbeit als Deeskalationstrainer im Alltag

abläuft und was noch verbessert werden müsste.

Interview mit Deeskalationstrainer Björn Zaddach

Vor knapp eineinhalb Jahren haben Sie die Ausbildung zum Deeskalationstrainer bei der Lebenshilfe Freising abgeschlossen. Was haben Sie in dieser Zeit gelernt?

Die Ausbildung war insgesamt sehr lehrreich. Einige Beispiele: Mir ist bewusst geworden, dass es einen großen Unterschied zwischen dem kognitiven und dem emotionalen Entwicklungsalter geben kann. Gerade, wenn Betreute sehr erregt sind, ist es wichtig, sie emotional abzuholen. Ebenfalls habe ich mich erstmals ausführlich damit beschäftigt, was ein Übergriff beim Betroffenen und den Beobachtenden auslösen kann und wie wichtig ein gutes Nachsorgekonzept ist. Schließlich habe ich, wie die anderen Kursteilnehmer, begonnen, praktische Erfahrungen mit dem verbalen Deeskalieren zu machen.

Können Sie Ihre neu erworbenen Kenntnisse in der täglichen Arbeit einsetzen? Wenn nicht im Alltag, wo setzen Sie Ihr Wissen dann ein?

Manchmal werde ich geholt, wenn ein Betreuter in der Klasse erregt ist oder auch irgendwo sich einfach verweigert. In vielen Fällen kann ich als Person außerhalb des Konflikts zur Entspannung beitragen. Manchmal höre ich auch vom Büro aus, dass es laut ist und frage nach, ob ich helfen kann. Im Alltag führe ich nun auch vermehrt Gespräche mit Mitarbeiter*innen, die Opfer eines Übergriffs waren und hoffe, dass sie dies als hilfreich erleben. Jenseits des Alltags habe ich schon mehrere Trainings angeboten, mit meinen Kolleg*innen das Schulungsmaterial weiter entwickelt. Außerdem arbeite ich im Arbeitskreis Gewaltschutz mit.

Vor welche Herausforderungen stellt Sie die Arbeit als Deeskalationstrainer?

Wir schauen jetzt sehr viel genauer, in welchen Situationen es zu Übergriffen kommt und erkennen einen Handlungsbedarf, der unsere Möglichkeiten deutlich übertrifft. Damit ist ein Umfang an Schulungsbedarf gemeint, der von uns acht Deeskalationstrainer*innen zusätzlich zur Haupttätigkeit nicht geleistet werden kann, zudem die Erkenntnis, dass ein Teil des Bedarfs strukturell bedingt ist (z.B. bauliche Bedingungen, Gruppengrößen, Tagesabläufe), an dem wir wenig oder nichts ändern können sowie bei den jüngeren Kindern eine starkes Wachstum an Personen mit herausforderndem Verhalten.

Bilden Sie selbst weitere Deeskalationstrainer*innen bei der Lebenshilfe aus?

Ich glaube, dass man dazu mehr Erfahrungen benötigt. Es ist allerdings in Planung, dass weitere Mitarbeiter*innen in eine Prodema-Ausbildung geschickt werden. Das ist schon deshalb gut, weil sieben der acht bisherigen Trainer*innen aus dem BiG stammen und wir in Abläufen anderer Einrichtungsarten nicht firm sind.

Können Sie ein konkretes Problem beschreiben, das durch den Einsatz einer*s Deeskalationstrainer*in gelöst werden konnte?

Insbesondere im BiG sind viele Schulbegleitungen im Einsatz, die oft mit der Betreuung von Betreuten mit besonders herausforderndem Verhalten betraut sind. Wir haben darauf nun einen wesentlich genaueren Blick, können Handwerkszeug im Umgang vermitteln, zugleich aber auch die Sicherheit, dass Übergriffe jeglicher Art nicht erduldet werden müssen.

Würden Sie sagen, die Ausbildung / die Arbeit als Deeskalationstrainer hat sich bislang bewährt?

Es war sehr gut, dass uns die Lebenshilfe die Ausbildung finanziert hat, schon weil sich die Notwendigkeit zur Erstellung eines umfassenden Gewaltschutzkonzepts durchgesetzt hat. Ich habe auch den Eindruck, dass sich ein verschärfter Blick auf das Problem der Übergriffe entwickelt hat. Wie weit wir zu einer nachhaltigen Verbesserung der Arbeitssituation beitragen können, muss sich aber noch zeigen.

Was muss noch verbessert oder nachjustiert werden?

Es müsste eigentlich wesentlich mehr Trainings geben und deshalb mehr Trainer*innen, die mit einem Teil ihrer Stunden für dieses Thema freigestellt sind.

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