Botschaften übermitteln:
Die kreativen Gruppen

Die künstlerische Entfaltung von Menschen mit Behinderung zu fördern, ist der Lebenshilfe ein wichtiges Anliegen. Denn künstlerische Werke sprechen Menschen an und übermitteln Botschaften, die andere aufnehmen und beantworten können.
Das bietet interessierten Betrachtern oder Zuhörern einen Einblick in die Ausdrucksfähigkeit von Menschen mit Behinderung und insgesamt mehr Verständnis für sie. Für unsere Künstler bietet sich die Möglichkeit, Talent und Ausdrucksmöglichkeiten zu zeigen, ihre Persönlichkeit zu stärken und verstärkt Anerkennung zu finden.
Um diesen wichtigen Bereich weiter auszubauen, wurde im Jahr 2000 das Projekt „Kunst und Kreativität“ ins Leben gerufen. Mit einem eigenen Sonderetat werden schöpferische Angebote gefördert und unterstützt.
In mehreren Einrichtungen der Lebenshilfe Freising haben Menschen mit Behinderung die Möglichkeit, ihre Kreativität auszuleben:
Kreative Werkstatt
In der Kreativen Werkstatt der Offenen Behindertenarbeit steht die Malerei im Mittelpunkt. Der Einzelne hat bei uns die Möglichkeit, die Grundlagen künstlerischer Arbeit und die jeweilige Technik kennen zu lernen und den Spaß an der eigenen Kreativität zu entdecken.
Inzwischen gibt es zwei Gruppen von je sechs Künstlerinnen und Künstlern, die sich im Wechsel alle zwei Wochen treffen. Arbeiten der Kreativen Werkstatt wurden bisher in eigenen Räumen sowie im Bayerischen Landtag in München, im Landratsamt und Finanzamt Freising, am Flughafen München und in Räumen regionaler Unternehmen präsentiert.

Singen, Theaterspielen und Tanzen im Juliane-Maier-Haus
„Unser erstes Theaterstück haben wir zur Bereicherung unseres Sommerfestes 1996 aufgeführt. Acht Bewohner haben mit großem Einsatz das Stück Vom Männchen, das immer brüllte gezeigt“, erinnert sich Gabi Heigl, die die Theatergruppe im Juliane-Maier-Haus in Moosburg betreut. Wie in der Malerei können die Bewohner auch im Theater ihre künstlerische Kreativität ausleben: in der Darstellung der Rollen und bei der Bühnendekoration. Besonders beliebt sind bayerische Stücke und Einakter, es wurde sogar schon ein eigenes Stück geschrieben.

Oft hört man sie im Keller proben: Mittlerweile sind es schon 15 Bewohnerinnen und Bewohner, die sich wöchentlich im Keller des Juliane-Maier-Hauses in Moosburg treffen. Mit viel Freude und Engagement sind sie dabei, ihr Können unter Beweis zu stellen. Dazu gehören auch Soloeinlagen einzelner Mitglieder, die selbstbewusst und ohne Scheu ihren Vortrag zu Gehör bringen. Zwischenzeitlich hat der Wohnheimchor viele Auftritte gemeistert.
Der alljährliche Besuch des Moosburger Faschings-Prinzenpaares hat uns einen weiteren Anstoß für künstlerische Aufgaben gegeben – Tanzen. Es vermittelt ein Gefühl für Rhythmus und Bewegung, Schrittfolgen, Körpersprache. Im Nu hat sich eine Gruppe von acht Personen gefunden, die zur Faschingszeit auf diesem Gebiet aktiv werden. Mit Eifer wird, je nach Thema, z.B. Country-Western, Dschungel oder Flower-Power geprobt. Bei verschiedenen Gelegenheiten haben die Bewohnerinnen und Bewohner ihr Programm stets dargeboten und haben dafür sehr viel Applaus geerntet.

Bildende Kunst und Musik im Anneliese-Schweinberger-Haus
Die darstellende Kunst beschäftigt die Bewohnerinnen und Bewohner des Anneliese-Schweinberger-Hauses in Moosburg sehr. Einige von ihnen treffen sich jede Woche: Sie lernen Materialen kennen, kaufen sie ein, besuchen Kunstausstellungen, probieren Techniken aus, Kunstwerken und Ausstellung der eigenen Kunstwerke. Die Kunstwerke konnten schon bei Ausstellungen im Anneliese-Schweinberger-Haus, im Vormundschaftsgericht und Zehentstadel Moosburg und im Finanzamt Freising bewundert und auch käuflich erworben werden. Das Projekt belegt nicht nur eindrucksvoll, dass Menschen mit Mehrfachschwerstbehinderung zu Höchstleistungen fähig sind, sondern dass sie Spaß daran haben, diese Leistungen zu erbringen und dass sie stolz auf ihre Kunstwerke sind.

„No Handicap“ – das ist Musikerlebnis, Musiktheater, Musikband mit Menschen mit Mehrfachschwerstbehinderung im Anneliese-Schweinberger-Haus. „No Handicap“ bedeutet, dass keine Behinderung, so schwer sie auch sein mag, die Menschen ausschließt, sich musikalisch zu betätigen. Ausschlaggebend für das Musikprojekt sind die Fähigkeiten, Interessen und Vorlieben der Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Vorhandene Fähigkeiten werden gefestigt und erweitert, neue Kompetenzen erschlossen. Sie spielen selbständig Instrumente (Orff-Instrumente, Keyboard und Saiteninstrumente), singen beliebtes und bekanntes Liedgut, improvisieren, erleben Klänge körpernah. Außerdem gehören Sprechübungen in Verbindung mit rhythmischen Elementen, Malen nach Musik oder das gezielte Erlernen eines Musikinstrumentes (Veeh-Harfe, Keyboard, Akkordeon, Blockflöte) dazu.