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6. August 2010

Ich, du und die anderen / Fernsehbericht über den Besuch von Schülern der Berufsschulstufe beim Weltkongress Inclusion in Berlin

Von 15. bis 18. Juni 2010 war eine Gruppe der Lebenshilfe Freising aus Menschen mit Behinderung, Betreuern, Vorstandsmitglied Robert Wäger und Geschäftsführer Franz Burger beim „Weltkongress Inclusion“ in Berlin. Als Mitveranstalter richtete die Bundesvereinigung Lebenshilfe die Aufmerksamkeit internationaler Gäste und der Presse auf die Fortschritte bei der Inklusion behinderter Menschen, der vollen Teilhabe an der „normalen“ Gesellschaft.

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Aus diesem Anlass drehten die preisgekrönte Fernsehredakteurin Anita Read der Arbeitsgemeinschaft Behinderung und Medien e.V. einen Film über eine Schülerin unserer Berufsschulstufe und ihre Freunde, ihre Lebenssituation in Freising und ihre Erfahrungen beim Kongress und in Berlin.

Der Fernsehbericht wurde schon am 6. August in der Sendung „Aus anderer Sicht“ bei 3sat ausgestrahlt. Jederzeit abrufbar ist jedoch auf der Internetseite der Sendung bei 3sat. Ein kleiner Film über die berufliche Integration eines weiteren BSS-Schülers zeigt das Schweizer Fernsehen D:SF am Samstag, 4. September um 11.15 Uhr.

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15. Juli 2010

Für mehr Teilhabe behinderter Menschen in Schule und Gesellschaft / Landtags-Abgeordnete aus Freising diskutierten mit der Lebenshilfe

Drei Abgeordnete des Bayerischen Landtags aus der Region Freising, Florian Herrmann von der CSU, Christian Magerl von den Grünen und Manfred Pointner (Freie Wähler) informierten sich am Montag, 5. Juli bei der Lebenshilfe Freising über neue Entwicklungen im Leben behinderter Menschen. Auf Einladung von Monika Haslberger, der 1. Vorsitzenden der Lebenshilfe Freising, und des Geschäftsführers Franz Burger kamen bei dem regen Gedankenaustausch aber auch Probleme von Menschen mit Behinderungen zur Sprache.

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Um sich die Größenordnungen bewusst zu machen erläuterte Burger die aktuellen Kennzahlen der Lebenshilfe Freising: Über 1300 Menschen würden von über 700 hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern betreut, was einen jährlichen Kostenaufwand von 28 Millionen Euro verursache. Die Lebenshilfe biete dabei Hilfen für behinderte Menschen vom Kleinkind bis zum Senioren an.

Größtes Projekt sei zurzeit Abriss und Neubau des Förderzentrums Fröbelschule an der Freisinger Gartenstraße, der in wenigen Wochen beginne, so Burger. Mit diesem Vorhaben sei man Vorreiter in der aktuellen Debatte um die Inklusion behinderter Menschen, d.h. deren möglichst volle Teilhabe am normalen gesellschaftlichen Leben: „Wir wollen damit die Forderungen der seit 2009 verbindlichen UN-Konvention über Rechte von Menschen mit Behinderung umsetzen. Daher wollen wir den Neubau im Jahr 2012 als Schule für Kinder und Jugendliche mit und ohne Behinderung eröffnen.“ Ein aktuelles Positionspapier der kirchlichen Förderschulträger und der Lebenshilfe in Bayern sowie eine Petition der Freisinger Lebenshilfe an den Bayerischen Landtag sollen dieses Engagement politisch bekräftigen. Tenor sei darin: „Alle Schulen müssen personell und materiell so ausgestattet werden, dass jedes Kind die seinem Förderbedarf entsprechende Bildung erhält.“ Diese integrative Bildung sei jedoch nicht zum Nulltarif zu haben, stellte Burger klar.

Alle drei Landtagsabgeordneten begrüßten diesen zukunftsweisenden Ansatz. Florian Herrmann: „Ich kenne die Lebenshilfe schon so lange, dass ich dieses Projekt in guten Händen weiß.“ „Das Problem ist“, warf Landrat a.D. Pointner ein, „dass zurzeit alles, was Geld kostet, vor der Aufstellung des neuen Staatshaushalts erst einmal abgelehnt oder verschoben wird.“ Jetzt zeige sich, dass erfolgreiche Modelle, wie die Kooperation der Fröbelschule mit der Freisinger Grundschule St. Korbinian, fast ausschließlich auf dem freiwilligen Engagement einzelner Lehrer aufbaue. Christian Magerl ergänzte, dass die feste Etablierung solcher Versuche vielfältige Widerstände vom Kultusministerium bis zu den Regelschulen vor Ort hervorrufen könne. Monika Haslberger: „Zudem kämpft das Förderschulsystem immer noch mit dem Stigma, dass Eltern ihr ‘gesundes’ Kind nicht in die ‘Sonderschule’ schicken wollen.“ Wohl nur eine „gelernte“ Teilhabe behinderter Menschen von der Kleinkindförderung über integrative Kindergärten bis in die Schulen und darüber hinaus baue Vorurteile mit der Zeit ab, gab Haslberger zu Bedenken.

Zur allgemeinen Finanzsituation berichtete Geschäftsführer Franz Burger von ersten Erfahrungen mit der neuen Zuständigkeit des Bezirks Oberbayern: Eine Verbesserung sei bei der Offenen Behindertenarbeit (OBA) festzustellen. Die OBA der Lebenshilfe habe dafür den Auftrag des Bezirks für umfassende Offene Hilfen auch für Körperbehinderte und Sinnesbeeinträchtigte erhalten. Die Angebote habe man beträchtlich erweitert, und auch die finanzielle Situation sei zufriedenstellend. „Was man von der Frühförderung absolut nicht sagen kann! Die erhebliche Unterfinanzierung durch den Bezirk hat schon jetzt ein sechsstelliges Defizit bewirkt. Das ist ein unhaltbarer Zustand“, so Burger. Darüber hinaus wurden Kürzungen des Bezirks Oberbayern beim Stellenschlüssel angekündigt. Die Position der Lebenshilfe Freising dazu ist, so Burger: „In der Hilfe für geistig behinderte Menschen gibt es kein wesentliches Einsparungspotential. Bei der eigentlichen Betreuungsleistung sind wir am Rand des Möglichen angelangt. Weitere Kürzungen betreffen daher direkt bestehende Mindeststandards. Darüber hinaus kann man bei Menschen mit sehr schwe­ren Behinderungen eher von einer Unter- als Überversorgung sprechen.“ Burger bat die Abgeordneten, sich gemeinsam mit den Fachleuten Gedanken zu machen, aus welchen anderen finanziellen Töpfen dieser Missverhältnis zu decken sei.

Alle drei Landtagsabgeordneten bedankten sich für die Informationen aus erster Hand und regten an, diese Runde in regelmäßigen Abständen zu wiederholen. Lebenshilfe-Vorsitzende Haslberger und Geschäftsführer Burger zeigten sich darüber hoch erfreut und luden alle auch zu Einrichtungsbesichtigungen oder Praxistagen ein.



Mitgliederzeitschrift "Tausendfüßler"



Der "Tausendfüßler" ist die Halbjahreszeitschrift der Lebenshilfe Freising e.V. und erscheint
jährlich im April und im Oktober. Vereinsmiglieder, Mitarbeiter, Freude und Förderer erhalten
diese jeweils zugeschickt.

Der Tausendfüßler soll Mitglieder, Menschen mit Behinderung und deren Angehörige, Mitarbeiter, Freunde und Förderer sowie
die interessierte Öffentlichkeit von Meinungen, Ereignissen und Aktionen der Lebenshilfe informieren. Jedes Heft hat dazu ein
Schwerpunktthema und mehrere Rubriken aus dem Alltag unserer Einrichtungen.

Autoren der Aufsätze und Berichte sind ehrenamtliche und hauptamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Lebenshilfe
Freising. In jeder Ausgabe sollen aber auch Menschen mit Behinderung und Gastautoren zu Wort kommen.

Die Endredaktion erfolgt durch die Stabsstelle Öffentlichkeitsarbeit, Herstellung, Druck und Versand erfolgt ganz integrativ durch
unsere Werkstätten für behinderte Menschen.

 

Die aktuelle Ausgabe zum Herunterladen: Tausendfüßler April 2010